Bauernaufstand im Bergischen Land

Die Pressestelle der Kölner Polizei berichtet heute von einer Familie, die ihren heißgeliebten – aber schrottreifen – Unimog mit Maul und Klauen Händen und Füßen gegen die böse Obrigkeit zu verteidigen versuchte. Beim Versuch ist es auch geblieben. Ein lustiges Volk scheint da zu wohnen:

Köln (ots) – „..die Bauern…Aber ehe denn ich mich umsehe, fahren sie fort und greifen mit der Faust drein mit Vergessen ihres Erbietens … und toben und tun wie die Rasenden…“ (Martin Luther, 1525). Der Autor dieser Zeilen hätte sich am Dienstagmorgen (11. März 2008) angesichts des Gebarens einer Landwirts-Familie gegenüber einer Streifenwagenbesatzung der Kölner Polizei sicher bestätigt gefühlt.

Um 07.15 Uhr war den Beamten auf der Autobahn A 4 nahe dem Rastplatz Röttgesberg ein Unimog mit Anhänger aufgefallen. Das mit mehreren Tonnen Brauerei-Abfall beladene Gespann war mit eingeschalteter Warnblinkanlage und nur 20km/h in Fahrtrichtung Olpe unterwegs.

Als die Uniformierten das Fahrzeug dann auf dem Rastplatz anhielten, stieg der Fahrer (36) aus. Dabei stellte sich heraus, dass die Unimog – Bremsen derart schlecht waren, dass das Gespann sich verselbständigte und im leichten Gefälle gegen den Streifenwagen zu rollen drohte. Noch dreimal musste der 36-Jährige daraufhin die Bremse fester anziehen.

An mehreren Stellen war die Karosserie der Fahrzeuge durchgerostet. Zudem hatte man die Ladewände der Zugmaschine selbständig nach oben verlängert und nur mittels Draht gesichert. Noch während der Kontrolle bildete sich unter dem Unimog eine Öllache. Auch die Reifen des Anhängers ließen zu Wünschen übrig.

Zur abschließenden Begutachtung wurde das augenscheinlich verkehrsunsichere Fahrzeug zur TÜV-Niederlassung in Köln – Mülheim geleitet. Die dortige Überprüfung ergab, dass sowohl die Zugmaschine als auch der Anhänger völlig verkehrsunsicher waren. Folgerichtig wurde das Gespann stillgelegt und dem 36-Jährigen die Weiterfahrt untersagt.

Damit wollte sich der Landwirt jedoch nicht abfinden. Auch nicht mit dem Vorschlag, die für die Schweinemast benötigten Abfälle aus der Biergewinnung mit einem anderen Fahrzeug abzuholen. Er müsse jetzt unbedingt die Ladung zum familieneigenen Hof im Bergischen fahren, protestierte der Mann. Mit seinem Mobiltelefon rief er anschließend seinen Vater an.

Kurz darauf erschienen die Eltern (beide 70) des Halters mit ihrem Auto auf dem TÜV-Gelände, blieben mit quietschenden Reifen neben den erstaunten Beamten stehen und stiegen aus. Die Schimpfkanonade, die dann über die Uniformierten hereinbrach, hätte vermutlich selbst den oben zitierten Reformator in Erstaunen versetzt:

„Ihr Dreckspack, Ihr Zuträger für den TÜV, der an uns armen Bauern nur verdienen will, Ihr habt wohl nichts Besseres zu tun? Was für ein Dreckspack Ihr doch seid!“, so die Seniorin. Auch ihr Ehemann ließ sich nicht lumpen: „Wenn Ihr Schweine uns Ärger machen wollt, dann kriegt Ihr eins auf die Fresse!“, fiel der 70-Jährige ein.

Die Hinweise der Beamten, dass die Verkehrsunsicherheit des Gespanns soeben durch den TÜV festgestellt worden sei, beeindruckte das ergraute Duo keineswegs. Der Erboste gab übelste Beleidigungen von sich und ging dann mit erhobener Faust auf einen der Beamten los. Der Angegriffene musste daraufhin Pfefferspray einsetzen, um den aggressiven 70-Jährigen auf Distanz zu halten. Dieser wich auch sofort zurück und ließ von weiteren Attacken ab. Nicht so die ebenfalls in Rage befindliche Seniorin, die in Richtung der Polizisten spuckte und sich ebenfalls in übler Fäkalsprache erging.

Der Sohn weigerte sich vehement, den Fahrzeugschlüssel an die Ordnungshüter zu übergeben und drohte diesen ebenfalls Schläge an und ballte seine Faust. Ebenfalls nur unter Zuhilfenahme von Pfefferspray und mit vereinter Kraft der eingesetzten Beamten konnte der 36-Jährige beruhigt werden. Sein Schlüssel wurde beschlagnahmt.

Noch während der Unimog – Fahrer gefesselt wurde, schlug dessen Vater unvermittelt mit der Faust nach dem Gesicht eines Polizisten. Dieser erlitt durch den Schlag eine Platzwunde an der Unterlippe. Nach späterer ambulanter Behandlung beim Polizeiarzt konnte der Beamte seinen Dienst fortsetzen.

Die beiden durch das Pfefferspray Beeinträchtigten lehnten dann die Behandlung durch eine herbeigerufene Rettungswagenbesatzung zunächst ab: „Ihr Blaulichter steckt doch alle unter einer Decke! Von einem solchen Pack lasse ich mich nicht anpacken!“, so der Senior. Sein Sohn sah das anders: Er drohte seinerseits damit, die aufgrund dieser klaren Ansage ihren Einsatz abbrechenden Sanitäter wegen unterlassener Hilfeleistung zu verklagen. Daraufhin wurden Vater und Sohn die Augen ausgespült.

Beide wurden anschließend im Streifenwagen zum Polizeigewahrsam gefahren. Die Familienmutter beruhigte sich zwischenzeitlich und ließ nur noch vereinzelt Verbalattacken gegen die Beamten ab. Bis zur erfolgten Sicherstellung des fraglichen Gespannes verblieben Vater und Sohn im Gewahrsam. Beide sind bereits früher wegen Verstößen gegen die Zulassungsordnung auffällig geworden.

Die gesamte Familie wird sich nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten müssen. Darüber hinaus wird die charakterliche Eignung des 36-Jährigen zum Führen eines Kraftfahrzeugs hinterfragt. Desweiteren fertigten die Beamten Ordnungswidrigkeitsanzeigen hinsichtlich des maroden Gespannes. (cg)

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