Advo-Dumm

Auf dem Onlinerechtsberatungsmarkt tummeln sich mittlerweile zahlreiche seriöse Anbieter. Beispielhaft seien nur anwalt.de und frag-einen-anwalt.de genannt. Neulinge auf diesem Gebiet haben es schwer, da mitzuhalten. Ganz besonders, wenn schon die Bedingungen für die teilnehmenden Anwälte so abstrus sind, daß sich jeder wirtschaftlich denkende Kollege nur stirnrunzelnd abwenden kann. So wurde ich heute auf das Angebot von Advonaut aufmerksam gemacht. Diese Plattform wird laut Denic-Angaben von der Firma finebrain AG betrieben, mit Sitz in der Schweiz, und versteht sich als Anwaltsvermittlungsdienst. Auf der Anmeldeseite für interessierte Anwälte heißt es:

So funktioniert Advonaut

  • Anfrage: Potenzielle Klienten formulieren ihre Anfragen anonym auf der Advonaut-Website und wählen das entsprechende Rechtsgebiet bzw. eine passende Laienkategorie.
  • Freischaltung: Die Mandatsanfragen werden nach einer Seriositätsprüfung den bei Advonaut registrierten Anwälten in den entsprechenden Tätigkeitsgebieten per E-Mail angezeigt.
  • Rückmeldung: Anwälte, die am Mandat interessiert sind, können über das Advonaut-System eine individuelle Rückmeldung an den Anfrager senden.
  • Kontakt: Der Anfrager nimmt aufgrund der eingehenden Rückmeldungen direkt mit den passenden Anwälten Kontakt auf.
  • So weit, so gut. Aber weiter:

  • Geringe Akquisitionskosten: Sie bezahlen nur, wenn Sie auf eine Mandatsanfrage reagieren. Gebühren werden nur pro Rückmeldung erhoben.
  • Genauer:

    Die Anmeldung ist kostenlos. Eine Rückmeldung auf eine Anfrage kostet € 20.-, unabhängig von einer Mandatserteilung durch den Anfrager und Mandatsgröße.

    Im Klartext bedeutet das:

    Ein potentieller Mandant wird von Advonaut vermittelt, und der teilnehmende Anwalt zahlt, sobald er mit dem Anfragenden Kontakt aufnimmt, 20 EUR an die Betreiber der Plattform, egal, ob ein Mandatsverhältnis zustandekommt, oder nicht. Das System rechnet sich für den teilnehmenden Anwalt also nur, wenn es zu einer Mandatierung kommt – ansonsten zahlt er fleißig drauf.

    Jeder mag selbst abschätzen, ob ihm dieses Angebot zusagt. Mich erinnert das alles aber sehr an Heiratsvermittlung, bei denen letztlich nur einer gewinnt: Der Vermittler.

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    9 Responses to Advo-Dumm

    1. Abgesehen vom Abrechnungssystem (der Anwalt sollte nur zahlen, wenn er auch ein Mandat erhält – dann ggf. auch mehr) finde ich die Idee sehr gut. Es ist schwierig, einen passenden Anwalt zu finden (insb. für besondere Fachgebiete wie bspw. Tierrecht) – so eine Plattform könnte da schon helfen.

    2. RA Dedden sagt:

      Nettes Geschäftsmodell – es kombiniert die Ansätze „Dummheit ist eine unerschöpfliche Ressource“ mit „Juristen können nicht rechnen“.
      Schade nur, daß die Seite so unbekannt ist😉

    3. Dr.TS sagt:

      … ich sehe es -ohne die Details zu kennen- eher wie Kollege Detten.

      Aber -ohhhhh: Entsetzt stelle ich fest, auch in Köln schon vertreten (wenn auch die Informationen sehr spärlich sind). Hohoho.

    4. Hallo zusammen,

      vielen Dank, Herr Schwartmann, dass Sie sich so mit Advonaut befasst haben. Ich wollte mich, als Geschäftsführer von Advonaut und Berufskollege, auch noch melden, um vielleicht ein bisschen „Licht ins Dunkel“ zu bringen.

      Der Advonaut-Service, der nun auch in Köln gestartet ist, wird von uns (finebrain AG in Basel) in identischer Form seit 2 Jahren für Zürich betrieben (unter http://www.advofinder.ch). Der Service, angeboten in Kooperation mit dem Zürcher Anwaltsverband, ist nicht nur beim rechtsuchenden Publikum, sondern auch gerade bei den teilnehmenden Anwälten und Kanzleien (mehrere Hundert) sehr erfolgreich. Wieso? Einerseits eröffnet der Service einen neuen, einfachen Weg zum richtigen Anwalt, was für viele Leute tatsächlich ein Problem darstellt (Herr Schütter oben hat absolut Recht). Andererseits bietet die Plattform den Anwälten eine bequeme und zielgerichtete Unterstützung bei der Mandatsakquisition.

      Ihre Kritik am Gebührenmodell bzw. Abrechnungssystem wird von den vielen teilnehmenden Anwälten gemäss einer vom Anwaltsverband durchgeführten Umfrage so nicht geteilt. Das Modell wurde als transparent und fair bezeichnet, weil der Anwalt ohne Kosten sehen kann, welche Mandatsanfragen in seinem Fachgebiet reinkommen, und erst bezahlen muss, wenn er sich entscheidet, mit einem Anfrager Kontakt aufzunehmen. Wichtig für die Transparenz und Einschätzung meiner Erfolgschancen als Anwalt ist, dass ich vor dem Antworten sehen kann, wieviele der Kollegen sich bereits auf die Anfrage gemeldet haben. Zudem kann der Anfrager jederzeit mit einem Klick seine laufende Anfrage vorzeitig (d.h. vor Ablauf der 5-tägigen Laufzeit) deaktivieren, damit kein Anwalt auf Anfragen (kostenpflichtig) antwortet, wo kein Bedarf mehr besteht.

      Andere Gebührenmodelle haben wir, auch mit dem Anwaltsverband, evaluiert. Eine Grundgebühr, wie sie die meisten Anwaltssuchdienste verlangen, erscheint uns aus Sicht der Anwälte völlig uninteressant, weil ich da als Anwalt nie richtig weiss, was ich dafür bekomme. Das Abrechnungssystem, wie es oben Herr Schütter vorschlägt, wäre zwar interessant, ist aber nicht praktikabel und vor allem standesrechtlich, auch gem. BRAO, unzulässig (Provisionierungsverbot, Berufsgeheimnis). Wenn jemand aber ein besseres Modell kennt, das auch garantiert, dass der Anfrager auch mehrere Rückmeldungen und damit eine Auswahl bekommen kann, so würden wir uns freuen, davon zu hören.

      Dass wir Schweizer sind, gereicht uns hoffentlich nicht zum Vorwurf😉 Wir arbeiten an allen Standorten in Deutschland mit lokalen Anwälten zusammen, haben dort unsere Vertretungen, und kooperieren mit lokalen Partnern, u.a. auch mit den Anwaltsvereinigungen.

      Übrigens: Das Motto “Jeck, loss Jeck elans” für Ihren Blog finde ich gut. Vielleicht heisst das auch, dass Sie Advonaut einmal ausprobieren wollen?🙂

      Bis bald, mit besten Grüssen

      Thomas Morscher

    5. Dr.TS sagt:

      Salut (ja, ebenfalls helvetisch der Absender),

      Herr Morscher,

      ich steige ehrlich gesagt immer noch nicht recht durch, bei der Thematik.

      Bin aber schon auf das Statement des Inhabers dieser Seite gespannt
      🙂

      Gruss aus dem verregneten Interlaken

    6. schwartmann2 sagt:

      Sehr geehrter Herr Kollege Morscher,

      vielen Dank für Ihre umfangreichen Erläuterungen – aber das wird ja immer besser:

      Zitat: „Wichtig für die Transparenz und Einschätzung meiner Erfolgschancen als Anwalt ist, dass ich vor dem Antworten sehen kann, wieviele der Kollegen sich bereits auf die Anfrage gemeldet haben.“

      Das bedeutet also, daß eine Anfrage durchaus an mehrere (alle?) Kollegen weitergeleitet wird. Angenommen, 10 Kollegen antworten auf die Anfrage. Dann bekommt 1 Kollege das Mandat, und die anderen 9 zahlen trotzdem jeweils 20 EUR?

      In der Konsequenz kann das doch nur bedeuten, daß sich die Kollegen, die auf die Anfrage antworten, gegenseitig zu unterbieten versuchen, um nur ja das Mandat zu erhalten und die 20 EUR nicht in den Sand zu setzen.

      Ob sich das Angebot dann tatsächlich nicht nur für Sie als Betreiber, sondern auch für die teilnehmenden Anwälte, die kostendeckend arbeiten müssen, lohnt, wage ich weiterhin zu bezweifeln.
      🙂

      Grüße aus dem verregneten Köln

      Andreas Schwartmann

    7. Dr.TS sagt:

      … es mag am schon zweiten, köstlichen Budweiser liegen, aber:

      DAS LEUCHTET MIR EIN.

    8. Dr. MB sagt:

      Sehr geehrte Damen und Herren Kollegen,

      vielleicht liegt es an der späten Stunde (22.00 Uhr), an meiner Langsamkeit oder auch daran, dass ich mich bisher nicht mit allen Einzelheiten des Systems befasst habe:

      Warum soll advonaut nicht standeswidrig sein ? Werden hier nicht direkt Provisionen gezahlt ?

      Die Firma wirbt doch auf der Homepage unter dem button „Partner werden“ wie folgt:

      Lukrative Provision: Sie partizipieren als Affiliate-Partner von einem lukrativen und transparenten Provisionsmodell auf der Basis „Cost-per-Lead”. Ein provisionsberechtigter Lead wird generiert durch eine Anfrage, welche nachverfolgbar über die Website eines Partners auf der Advonaut-Website eingegeben und dort nach inhaltlicher Prüfung publiziert wird.

      Ich bitte um Rechtsrat !

      Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

      DR MB

    9. Michael Geisen sagt:

      Interessantes Thema. Ich habe mir das ganze einmal angeschaut. Zu der angeblichen Standeswidrigkeit wegen Provisionsverbot, kann ich als Laie sagen, dass sich dies auf das Partnerprogramm des Anbieters bezieht. Das hat nichts mit den Gebühren zu tun, die der Anwalt hier entrichtet. Der Anbieter selbst zahlt Teile seiner Einnahmen an Partner aus, die für die Plattform werben.

      Ehrlich gesagt bin ich verwundert, wie schnell immer über zu hohe Kosten für solche Services gejammert wird. Es zwingt Sie ja keiner, bei dem ganzen mitzumachen. Und die Anwälte die teilnehmen, werden schon wissen, warum sie es tun. Wenn ich 10 Anfragen beantworte, 200 EUR verpulver und keinen ROI sehe, dann muss ich ja nicht mehr mitmachen. Ich würde aber mal persönlich ein bißchen an der Einstellung arbeiten, dass die ganze Welt umsonst ist (oder extrem billig zu höchster Qualität). Ich wäre froh, dass es neue Vermarktungsansätze für verschiedene Dienstleister gibt, denn nicht jeder ist ein Vermarktungsgenie. Und wer eines ist oder sich dafür hält, der braucht ja auch gar keinen Gedanken an solch einen Service zu verschwenden.

      Im Übrigen gibt es denselben Service auch zum (äußerst geringen Festpreis) bei einem Portal Names Anwaltvergleich24 (http://www.anwaltvergleich24.de). Die Monatsgebühren liegen nach Aussage eines Bekannten, der dort Anwalt ist, bei nicht einmal 10 Euro, wenn ich mich recht entsinne. Aber wahrscheinlich ist das auch völlig unangebracht, weil man ja nicht weiß, ob man die 10 Euro gut investiert hat und das Geld jemals wieder sieht.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Michael Geisen

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