Alles für den Aufstieg!

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Noch 27 Stunden und 40 Minuten bis zum Anpfiff des wohl wichtigsten Spiels dieser Saison.

Im EXPRESS-Forum schrieb dazu der User „Joker“:

Es gibt Fußballspiele, die hat man mit dem Abpfiff eigentlich schon vergessen, zumindest aber unter ‚ferner liefen‘ abgehakt.
Dann gibt es die Fußballspiele, an die man sich gerne erinnert, weil eine ansprechende Leistung geboten wurde. Aber auch diese sind bald vergessen und nur auf Nachfrage oder an gegeben Anlässen erinnert man sich dann ganz fern – ja, da war doch mal was…

Schließlich gibt es noch die Sorte von Fußballspielen, die man nicht nur nicht vergisst, oder sich an sie ‚bloß‘ erinnert – es gibt auch Spiele, die man posthum fühlt. Irgendwie.
Es sind diese Spiele, deren entscheidende Szenen sich immer wieder in Tagträumen vor dem ‚geistigen Auge‘ abspielen. Sehr bemerkenswert ist die Tatsache, dass man auch immer das Gefühl, welches man bei diesen spielentscheidenden Szenen hatte, neu durchlebt – so, als ließen sich Emotionen konservieren. Positiv, wie negativ.

Es ist ein untrüglicher Beweis dafür, wie sehr der emotionale Zustand eines Fußballfans mit der Leistung und dem Ergebnis seines Vereins verbunden ist. Ich merke das am eigenen Leib. Mir geht es heute gut. Verdammt gut. Denn am vergangenen Sonntag bescherte mir mein Verein eines dieser Spiele, an das ich mich noch lange und gerne erinnern werde.

Die Atmosphäre am Sonntag war schon von Beginn an eine wirklich Gute. Außergewöhnlich wurde sie aber erst später, in etwa ab der 54. Minute, als Helmes einen 25 m – Pass von Broich volley an die Latte hämmerte. Mit dem Torschrei auf den Lippen ging von da an die Post ab, als hätte Helmes den Startschuss gegeben. Nicht einmal gegen Gladbach gingen die Ost- und Westtribünen so ab, wie am Sonntag. Nicht nur der letzte Spieler, auch der allerletzte Fan im hintersten Winkel unseres Tempels hatte begriffen, dass dieser Gegner nur mit vereinten Kräften zu besiegen war. Und das hierfür seine Stimme von Nöten gewesen ist.

Der Torschrei zum 2:1 glich einer mittleren Eruption – den zum 3:1 kann man im übertragenen Sinne als ‚Vulkanausbruch‘ bezeichnen. Als hätten 46.000 Menschen eine seelische Last abgeworfen. Was man nicht hören konnte, waren die glitzernden Augen der in rot-weiß gekleideten Fans. Neben Stolz meinte ich vor allem Hoffnung in ihren Blicken zu erkennen. Die Hoffnung war vor dem Spiel eine zarte Pflanze, die man am gerne irgendwie vor was auch immer schützen und bewahren wollte – nach dem Spiel erwies sich unsere zarte Pflanze als wuchernder Dschungel. Natürlich lasse ich mich gerne von diesem ‚Hoffnungs-Dschungel‘ anstecken – obwohl ich’s eigentlich besser wissen müsste.

Wo Hoffnung Einzug hält, ist auch die Enttäuschung nicht weit. Das Eine hängt mit dem Anderen unweigerlich zusammen – die Hoffnung an sich war noch nie eine Garantie dafür, dass sie auch erfüllt wurde. Die Konsequenz eines enttäuschten Hoffens ist dann (wieder einmal) das Leiden. Nicht nur wer schön sein will, muss leiden. Wer FC-Fan sein will, ohne völlig durchzudrehen, dem muss die Leidensfähigkeit in die Wiege gelegt sein worden. Oder die Fähigkeit, bedingungslos zu lieben. Am Besten aber beides…

Nach dem gestrigen Spiel steigt meine Hoffnung ins Unermessliche. Wie sich die Lage jetzt darstellt, ist es eigentlich optimal: Gewinnt der FC, sind wir durch. Da gibt es keine Rechnerei mehr. ‚Wenn’s‘ und ‚abers‘ können wir getrost bei Seite schieben. Wir haben eine Situation, die sich sehr treffend mit einem kleinen Zauberwort ziemlich präzise beschreiben lässt:

FINALE!

Alleine der Gedanke an das was sich da am Sonntag im Müngersdorfer Stadion abspielen könnte, lässt mich schaudern. Am Sonntag um ca. 15:48 Uhr, werden wir aller Voraussicht nach entweder ‚himmelhoch jauchzend‘ oder ‚zu Tode betrübt‘ sein – wenn nicht gerade unentschieden gespielt wird. Die komplette emotionale Bandbreite die der Fußball und unser Herzensverein zu bieten haben, ist am Sonntag im Bereich des Möglichen. Meine Sorge um die Statik des Stadions, die ich in diesem Zusammenhang schön einmal äußerte, ist sicherlich berechtigt. Wer seinerzeit das Aufstiegsspiel gegen St. Pauli live im (damals halbfertigen)Tempel zu Müngersdorf miterlebt hat, kann sich ausrechnen, was uns erwartet.

Wer hinsichtlich dieses Spiels vom ‚wichtigsten Spiel in der jüngeren Vereinsgeschichte‘ redet, der übertreibt nicht. Bestimmt nicht. Von diesem einen Sieg hängt mehr ab, als von jedem Spiel zuvor, angefangen über die Trainerfrage, bis hin zum Präsidium und letztendlich auch der Verbleib unserer besten Spieler. Müssen wir wieder einen kompletten Neuanfang starten, oder haben wir nach Sonntag noch einen ‚Stamm‘ an Spielern, mit denen wir, ergänzt um sinnvolle Neuverpflichtungen, das Abenteuer ‚1. Bundesliga‘ in Angriff nehmen können?

Sollten die Zeiten in denen wir nach Koblenz und Aue gefahren sind, tatsächlich und endgültig vorbei sein? Bayern anstatt Wehen? Schalke an Stelle von Augsburg? Es hat schon etwas Perverses an sich, wenn die Mühen, das Hoffen und Bangen einer, nein, genauer gesagt zwei Saisons, nun auf ein einziges Spielchen, auf läppische 93 oder 94 Minuten reduziert wird. Wir kennen diesen Sport alle zur Genüge und wissen, was für Überraschungen er parat haben kann. Wir wissen, wie sehr auch der (vermeidliche) Zufall entscheidend sein kann. Mitunter sind es cm, die entscheiden. Cm, die für uns eine komplette Weltanschauung und unser Lebensgefühl verändern können. Wenn ich schon nach einem ‚normalen‘ Sieg euphorisch über Kölns Straßen ‚schwebe‘ und nach Niederlagen wie ein geprügelter Hund nach dem nächsten tiefen, sehr tiefen Loch Ausschau halte, in dem ich mich verstecken kann – wie bewege ich mich dann am Sonntag? Fliege ich? Oder braucht man ein U-Boot um mich zu erspähen, weil ich mich in Kölns Untergrund bis in die unterste Erdschicht vergraben habe und weiter Richtung Erdmittelpunkt am buddeln bin?

Wer bisher der Meinung war, unsere Helden hätten bis jetzt unter Druck gestanden, dem kann nicht wirklich widersprochen werden. Aber das Wort ‚Druck‘ wird am Sonntag neu zu definieren sein. Es ist uns Fans vorbehalten, den Jungs diesen Druck weitgehend zu nehmen – mit einem bedingungslosen Support und offen ausgesprochener Prügelstrafe für jeden, der es auch nur wagt zu flöten – geschweige denn, zu pfeifen. Jeder einzelne unserer Spieler muss das Gefühl haben, die 45.000 Kölner unter den 50.000 Zuschauern , leiden, supporten und lieben bedingungslos. Wenn der Gegner auf den Platz kommt, muss sich ihm ein Krach und ein optisches Bild darstellen, dass ihm Angst macht. Wirklich Angst macht. Die Südtribüne hat das Zeug, in der Lautstärke einer Airbus-A-380 – Turbine zu agieren… bitte tut es an diesem Tag! Hier ist vor allem der Oberrang der Südtribüne gefragt, der Unterrang wird eh ‚brennen‘. Der Norden muss toben und West- und Osttribüne geben den Mainzern hoffentlich ‚den Rest‘.

Wir fordern von den Spielern das absolute Maximum, was innerhalb 90 Min. + Nachspielzeit in diesem Sport an Leidenschaft, Kampf und Konzentration möglich ist. Ab der 91. Minute sollte allerdings nur noch auf reiner Asche gespielt werden – weil in den 90 Minuten zuvor das Gras von den Unseren einfach aufgefressen wurde. Und mit dem Gras auch der Gegner.

Wir Fans sollten aber dafür sorgen, dass am Ende des Tages und zukünftig von einem gemeinsam erkämpften Aufstieg geschwärmt werden darf. Denn umgekehrt dürfen die Spieler natürlich auch von uns das Maximum erwarten. Das hat gegen Gladbach schon ganz gut funktioniert, das hat gegen Hoffenheim noch besser geklappt. Jetzt, bzw. am Sonntag gilt es unseren zu zeigen, für wen sie da eigentlich spielen. Sie liebten uns für den Hoffenheim-Support. Für den Mainz-Support werden sie uns vergöttern. Spieler, schenkt uns eure Leidenschaft – ihr werdet mit grenzenloser Liebe entlohnt.

Im Gegensatz zum Dorfklub Hoffenheim werden wir am Sonntag allerdings auch auf der Tribüne einen akustisch starken Gegner haben. Die gilt es, mit orkanartigem Lärm so zu übertönen, dass ein Mainzer Support schlicht und ergreifend nicht stattfinden kann.

Was uns jetzt bleibt, ist das Warten. Warten auf Sonntag. Warten auf unsere Hymne. Findet sich im Sektor irgendjemand, der dagegen wettet, dass diese Hymne niemals annähernd so laut gesungen wurde, wie es am Sonntag der Fall sein wird? Wem ab der zweiten Strophe unserer Hymne nicht schon die Stimmbänder weh tun, der hat’s nicht begriffen. Wir werden unsere Hymne nicht singen, wir werden sie dem Gegner in ihre Gesichter SCHREIEN. ‚Graviert‘ ihnen akustisch ins Hirn, dass wir zu unserem Verein stehen – auf das sie ihren Enkeln noch erzählen, was sie für ein furchterregendes Spektakel sie an jenem denkwürdigen Tag empfangen hat.

Seht dieses Spiel als eine Art Entschädigung für nicht gefeierte Meisterschaften und Pokale. In meinen Augen geht es um erheblich mehr, als um einen Blechpott oder eine Salatschüssel. Am Sonntag muss die Grundlage für alles geschaffen werden. Wir werden, sollte es mit dem Aufstieg klappen, in Liga 1 zunächst ums nackte Überleben, dem Ligaverbleib, kämpfen. Aber im Finale vom Sonntag können wir ihnen auch für die eventuell kommenden schwierigen Aufgaben das nötige ‚mentale Rüstzeug‘ verschaffen. Dieses Finale wird sie, genauso wie uns Fans prägen. So oder so. Gehen wir am Sonntag als Sieger aus dem Stadion, wissen wir, dass auf unser Team im Zweifelsfall Verlass ist. Aber was fast noch wichtiger ist: Unsere Jungs wissen dann auch, dass auf uns Verlass ist.

Das ist mit Geld kaum aufzuwiegen. Das kann auch in Zukunft Berge versetzen und könnte uns vergangene, graue Zweitligazeiten schnell vergessen lassen.

Und jetzt wird es an der Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich die Zeit bis Sonntag, 11. Mai 2008, 14:00 Uhr, schadlos überstehe. Immer mit dem einen Gedanken – wie wird es enden?

Den Spielern sei an dieser Stelle noch einmal ein geniales Zitat von ‚Distel‘ ans Herz gelegt. Verinnerlicht es, denn es ist das, was den 1. FC Köln ausmacht…

… liebe Spieler,

wenn ihr am Sonntag mit dem Rücken zur Wand steht, dann lacht eurem Gegner ins Gesicht. Denn die Wand sind wir – und wir sind Tausende…

Gruß,

Joker

Es ist alles gesagt. In diesem Sinne:

Allez FC – Alles für den Aufstieg!

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6 Responses to Alles für den Aufstieg!

  1. Dr.TS sagt:

    Ihr seid also wieder leidenschaftlicher CD-Fan ….

    … und nicht mehr Anführer der Gegenbewegung (?).

    GANZ SCHÖN STRESSIG DER BALLSPORT.

  2. schwartmann2 sagt:

    Warum sollte ich „leidenschaftlicher CD-Fan sein“, wenn ich mir den Aufstieg wünsche?

    Wenn der Aufstieg morgen (oder nächste Woche in Kaiserslautern) gelingt, dann nicht wegen, sondern *trotz* Christoph Daum.

    Wichtig ist allein der Aufstieg und nicht ein maßlos überschätzter Trainer, der in zwei Wochen nicht mehr hier sein wird.

  3. Lubinetzki sagt:

    Christoph Daum maßlos überschätzt?

  4. Dr.TS sagt:

    @AS: Das fällt mir stante pedes kein Widerspruch ein… .

    Also geschickte Themenmodifizierung:

    CD scheint heimlich den FC Thun betreut zu haben. Innert 2 Jahren von der ChampionsLeague in die B-Klasse, das dürfte ein Novum sein.

    Euer Postkartenfreund Latour hat mit den Grashoppers dagegen den bis gestern amtierenden, (Zürcher Konkurrenz-) Meister nur um 2 Punkte verfehlt.

    Ach so: Der FC Sion hält europaweit mW den Trainerentlassungsrekord (etwas exzentrischer Chef dort) – vielleicht auch für CDs Zukunftsplanung berücksichtigen.

    Guckt Ihr hier, Endstand:

    1. FC Basel

    2. Young Boys Bern

    3. FC Zürich

    4. Grasshoppers Zürich

    5. FC Aarau

    6. FC Luzern

    7. FC Sion

    8. Neuchatel Xamax

    9. FC Sankt Gallen

    10. FC Thun

    Aufsteigen wird Vaduz (FL)– das ist da, wo Ihr den Spargroschen glücklicherweise nicht anlegtet.

  5. tom sagt:

    2:0 Aufgestiegen !!!!!!!

  6. swisspoesia sagt:

    Es ist vollbracht! Herzlichen Glückwunsch nach Köln! Feiert schön!

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