Meinungsfreiheit für Christoph Daum

Anläßlich einer DSF-Dokumentation über Homosexualität im Fußball wurde Christoph Daum, Trainer des 1. FC Köln, mit folgender Aussage zitiert:

Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegen treten, dass gerade die, die sich um diese Kinder kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen. Und ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.

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Nun kann man dieses Zitat verschieden deuten. Der Fußball ist eine der letzten Bastionen, in der Homosexualität schräg angesehen und Schwule einen schweren Stand haben. Sollte Christoph Daum seine Aussage also dahingehend gemeint haben, daß man Jugendliche vor ungewolltem Outing und ungewollter Konfrontation mit diesem Thema schützen sollte, verdient das Zustimmung.

Und wenn Christoph Daum keine gleichgeschlechtliche Sexualität mag, ist es ebenfalls sein gutes Recht, das auch zu sagen. Art. 5 Abs. 1 S. GG gilt auch für Fußballtrainer.

Anders sieht es Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im deutschen Bundestag und Kölner MdB, bekanntlich selbst homosexuell: «Die Äußerungen zur Homosexualität von Christoph Daum sind unerträglich und ich erwarte, dass die Vereinsführung des 1.FC Köln sich hiervon distanziert.»

Warum sollte der Verein das tun? Auch Christoph Daum hat das Recht auf seine Meinung, selbst wenn sie dem ein oder anderen, mit berufsmäßiger Betroffenheit reagierenden Interessenvertreter nicht gefallen mag. Herr Beck macht sich mit seiner Forderung lächerlich und sollte besser seine Klappe halten. Denn political correctness ist auch eine Form von Faschismus.

Mittlerweile hat Christoph Daum seine Aussagen übrigen konkretisiert:

Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die gleichgeschlechtliche Beziehungen leben. Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden. Deswegen arbeite ich auch aktiv bei der Organisation Power-Child.

Damit ist alles gesagt.

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19 Responses to Meinungsfreiheit für Christoph Daum

  1. Artikel 5 geht übrigens noch weiter:
    „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

    Ein jeder Homosexueller ist in seiner persönlichen Ehre empfindlich verletzt, wenn er, nur weil er homosexuell ist, in die Ecke von Pädophilen gesteckt wird.

  2. Pingback: hellojed. » Blog Archive » Von der Freiheit der Meinungsäußerung (2)

  3. märkel sagt:

    sorry schwarti,

    ich stimme dir meistens zu, aber hier kann ich dir nicht folgen. abgesehen davon, daß wir alle erst einmal die betreffende sendung anschauen sollten, finde ich die gleichsetzung angeblicher „polotical correctness“ mit faschismus völlig daneben. mag sein, daß auch dies wieder nur eine form von pc darstellt, mir egal.
    mit „damit ist alles gesagt“ ist eben auch noch lange nicht alles gesagt. artikel 5 des grundgesetzes sagt eben nichts darüber aus, ob es denn auch besonders schlau ist, seine meinung in jeder form zu äußern. im vorliegenden fall als trainer in der schwulenhochburg deutschlands.
    sollte daum diese äußerungen so getätigt haben, ich wiederhole: sollte, dann war das zumindest dumm. aber auch das wäre sicher vom gg gedeckt, oder?

  4. schwartmann2 sagt:

    Das PC eine Form von Faschismus ist, ist zugegeben sehr plakativ. Aber es kann nicht angehen, mißliebige Meinungen zu unterdrücken, nur weil sie politisch nicht in das Weltbild der Mehrheit passen. Die Unterdrückung von Meinungen Andersdenkender und die Gleichschaltung dessen, was gesagt werden darf, ist ein typisches Kennzeichen faschistoider Systeme.

    Christoph Daum hat sich unglücklich ausgedrückt. Aber selbst wenn er sagen wollte, daß er keine Schwulen mag: Er darf das sagen und niemand darf ihm eine solche, vielleicht dumme Äußerung verbieten. Auch nicht Volker Beck.

  5. Noel sagt:

    Keiner will ihm die Meinung verbieten. Davon distanzieren darf man sich sehr wohl – und ich finde es in diesem Fall auch äußerst angebracht! Wenn Herr Daum impliziert, dass Homosexualität Kinder und Jugendliche gefährdet, ist dies in keinem Fall zu unterstützen.

    Leider unterstreicht die „Konkretisierung“ genau diese Aussage. Ich finde es nahezu verabscheunswert, eine solche Meinung zu äußern. Er soll und darf seine Meinung jedoch ruhig äußern, darf sich aber auch nicht wundern, wenn er für diese Meinung keinen Applaus erhält.

  6. Florian sagt:

    C.Daum hat aber nicht gesagt, dass er schwule nicht mag. Er hat vielmehr einen diffusen Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellen Übergriffen auf Kinder hergestellt.
    Wo er diesen sieht, bleibt leider offen.

    Das ist nicht politisch inkorrekt, sondern einfach nur dumm. Der FC täte gut daran, die Sache zumindest klarzustellen.
    Im Übrigen kann man auch differenzierter an Dinge herangehen, als gleich mit dem Totschlagarument Art. 5 jede Diskussion im Keim zu ersticken.

  7. schwartmann2 sagt:

    Ja und? Selbst wenn Daums Ansichten dumm sind – so what? Er darf sie trotzdem äußern. Es ist halt seine Meinung. Auch wenn er einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie sehen sollte – was er nicht gesagt hat! – dann bleibt ihm das unbenommen. Man muß diese Meinung ja nicht verstehen oder gar teilen.

    Aber in Zeiten, in denen mit schöner Regelmäßigkeit die Berufsbeleidigten aus ihren Ecken kommen – Kardinäle, Moslems, Schwule, Linke, Rechte, Rentner, und wer-weiß-ich-noch-alles – um mißliebige Meinungen als “unerträglich” zu brandmarken, ist die Meinungsfreiheit erst recht ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt. Gerade, wenn man diese Meinung nicht teilt.

    Im Übrigen sollte man in der Tat erst einmal den DFS-Bericht abwarten, bevor man, wie Beck, die Moral-Keule schwingt.

  8. guy incognito sagt:

    „Er hat vielmehr einen diffusen Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellen Übergriffen auf Kinder hergestellt.“

    genau das. und natürlich kann jeder seine Meinung äußern. andere „Medienvertreter“ haben aber genau dasselbe Recht, zu widersprechen bzw. das Ganze zu thematisieren.

  9. Dr.TS sagt:

    … ob sich CD zur Homosexualität oder der Papst zur Vielweiberei äussert, ist insoweit gleichzusetzen:

    Nämlich mir wurschtegal.

  10. Tom sagt:

    Nimmt Herr Daum seine Schützlinge eigentlich auch vor Drogenkonsum in Schutz?

  11. Annabelle Meyer sagt:

    „Aber in Zeiten, in denen mit schöner Regelmäßigkeit die Berufsbeleidigten aus ihren Ecken kommen – Kardinäle, Moslems, Schwule, Linke, Rechte, Rentner, und wer-weiß-ich-noch-alles – um mißliebige Meinungen als “unerträglich” zu brandmarken, ist die Meinungsfreiheit erst recht ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt. Gerade, wenn man diese Meinung nicht teilt.“

    Sorry, aber Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man jeden Schwachsinn in die Welt pusten darf, ohne dafür kritisiert zu werden. Der Artikel 5 des Strafgesetzbuches sagt nur, dass man für solche Äußerungen nicht vom Staat bestraft werden darf. Er gilt zudem nicht nur für Herrn Daum, sondern auch für Herrn Beck.

    Dein Fachismus- Gequatsche ist zudem oberpeinlich.

    Grüße

    Annabelle

  12. samstagisteingutertag sagt:

    @anabelle

    Du sprichst mir aus der Seele. – Was übrigens das Argument angeht, da würde jemand Daum die Meinung verbieten: Sie ist doch in der Welt. Da wurde nix unterdrückt, sondern im Gegenteil. Ansonsten ist es wirklich erstaunlich, mit welcher Regelmäßigkeit sich Täter, die verbal auf andere draufschlagen, sich binnen einer Sekunde zum Opfer stilisieren, wenn sie Widerspruch ernten. Da kann ich nur sagen: Willkommen im Club der Berufsbeleidigten😉

  13. märkel sagt:

    mmhh… volker beck darf christoph daum nicht das wort verbieten (was er auch ncht getan hat – er hat nur die aussage kritisiert, wenn auch vielleicht etwas sehr voreilig), aber andreas schwartmann darf volker beck raten, „besser die klappe zu halten“.
    da daum mittlerweile dementiert hat, sein dementi allerdings genau die gleiche aussage trifft (schwule sind ok, man sollte sie aber im auge behalten, wenn kinder dabei sind), muß man leider davon ausgehen, daß er die kolportierten passagen tatsächlich so abgesondert hat.
    ob durchs gg gedeckt oder nicht, solche aussagen beschädigen die person christoph daum und, was ich persönlich viel schlimmer finde, den 1.fc köln. ich hoffe, er kriegt zeitnah die kurve (was ich bei seiner beratungsresistenz kaum glaube, es sei denn, sein anwalt diktiert ihm nach einem mehrstündigen sitzungsmarathon eine gegendarstellung) und beschäftigt sich in naher zukunft ausschließlich mit sportlichen dingen.

  14. Flo sagt:

    Es ist immer wieder erstaunlich: Irgendeine prominentere Randgestalt setzt geistigen Dummfug in die Welt – hier: eine grundlose und völlig aus der Luft gegriffene Diffamierung einer sowieso oft angegriffenen Bevölkerungsgruppe – und sobald irgendwoher auch nur der Hauch einer Kritik kommt wird plötzlich der Art. 5 GG sozusagen als „Schutzschild“ ausgepackt. Weshalb allerdings die Meinungsfreiheit irgendjemand vor Kritik schützen sollte ist nicht so recht klar. Ich war bisher immer der Meinung, dass Art. 5 GG (auch) besonders die Möglichkeit Kritik zu üben schützt.

    Und wenn man derart hemmungslos längst überwundene Vorurteile verzapft wie CD, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Kritik in rauen Mengen kommt. Oder soll Otto Normalschwul gefälligst wie der „Interessenvertreter“ Beck „die Klappe halten“? Sich brav und demütig in die Pädophilenecke stellen lassen?

    Beschämend übrigens, wenn ein Jurist, der zumindest mal ansatzweise mit Grundrechten in Berührung gekommen sein sollte, so argumentiert wie hier. Schade um das Blog.

  15. schwartmann2 sagt:

    Natürlich darf Volker Beck die Äußerungen Daums kritisieren. Auch für ihn gilt Art. 5 GG. Etwas anderes habe ich nicht behauptet.

    Aber er hat nicht nur Daum kritisiert, sondern vom Verein etwas gefordert, nämlich eine Distanzierung. Und diese Forderung ist nicht berechtigt und dient doch allein der Profilierung Becks.

    Ich hätte meinen Rat an Beck auch mit Dieter Nuhr formulieren können. Hab ich aber nicht.

  16. Dr.TS sagt:

    … einfach CD wieder dahin schicken, wo er lt. Wikipedia herkommt: Nach Sachsen.

    Ohne ihn hättet Ihr schon nach dem 29.Spieltag den Aufstieg gefeiert.

    Sonniges Wochenende!

  17. märkel sagt:

    der dieter nuhr wäre aber doch eher für christoph daum angebracht, oder nicht? ich denke schon, daß volker beck mehr ahnung vom schwulsein hat als christoph daum. zumindest steht er schon länger dazu🙂
    über die funktion daums als vertreter des vereins 1.fc köln brauchen wir doch nicht ernsthaft zu streiten. wie sehr der das bild des fc in der öffentlichkeit bestimmt, hast du doch unlängst selber dokumentiert. also ist doch auch nichts falsch daran, wenn der fc klar stellt, wie die sicht des vereins ist. und wenn ich mir die aussage von michael meier durchlese, dann scheint der fc daums ansichten nicht unbedingt zu teilen. gott sei dank!

  18. Aber so wie Daum Unsinn erzählen darf, darf Beck auch alles mögliche vom 1. FC Köln fordern. Du misst da mit zweierlei Maß, obwohl Du genau das Gegenteil für Dich in Anspruch nimmst. Deshalb: Für Daum, Beck und Dich gilt: Besser als die Klappe halten ist es erst zu denken, dann zu reden. Meine Meinung.

  19. Marlen sagt:

    Wie warum spannt CD so einen großen Bogen? Wer spricht denn hier von Kindern, außer Daum?
    Wie wärs’s denn, wenn er mal in seine eigenen Reihen schaut?
    Übrig bleibt dass Daum; Basler und sonstwer der noch so’n Zeug plappert, sich geradewegs ‚zurück in die zukunft‘ katapultiert.
    Klasse, vielleicht wünschen sich einige so ein Revival auch bei Politikern.

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