Stundenlohn 5 EUR

Eine TV-Produktionsfirma hat mir gerade folgende Anfrage geschickt:

… wir suchen noch Komparsen zwischen 20-25 Jahren, die Lust haben am Donnerstag, den 28.04.2011 um 08:30 in Hürth im Rahmen einer RTL-Produktion dabei zu sein.
Als Aufwandsentschädigung können wir Ihnen 20€ anbieten. Der Dreh wird voraussichtlich 4 Stunden dauern.

Die Zielgruppe habe ich altersmäßig leider um knappe 18 Jahre verpasst. Aber es werden sich sicherlich genug Mediengeile finden, die bereit sind, für einen Stundenlohn von 5 EUR den halben Tag zu verplempern, um dann im RTL-Programm einmal durchs Bild zu laufen.

Vielleicht gibt’s aber ja auch Schnittchen und Veronica Ferres dazu. Mich gruselt’s.

4 Responses to Stundenlohn 5 EUR

  1. Daniela Querulantia Müller sagt:

    Wenn das mal keine abmahnwürdige gewerbsmäßige Altersdiskriminierung und eine sittenwidrige Lohn-Ausbeutung von minderbemittelten jugendlichen Erwachsenen ist!!!!!

    • Der Dude sagt:

      es heisst auch „aufwandsentschädigung“ mit (lohn)ausbeutung hat das mal gar nichts zu tun!
      und wem’s nicht passt braucht ja auch nicht mit machen😉

  2. Pascal sagt:

    Das ist durchaus üblich… Hier in Berlin bekommt man normalerweise
    * 55€ pauschal für die ersten 10,5 Stunden, egal wie lange es dann dauert
    * 05€ für jede angefangene Überstunde sowie ggf.
    * 10€ Nachtzuschlag nach 22 Uhr.

    und so ein Drehtag kann auch mal 16 Stunden dauern. Des Geldes wegen kann man das eigentlich nicht machen. Andererseits verdient man als FriseurIn oder an der Kasse auch nicht mehr, wohingegen es beim Film/Fernsehen immerhin Kaffee und Essen gibt. Zudem besteht die Arbeit zu 80% aus rumsitzen und warten, da kann man ja produktiv sein und lesen. Daher gibt es Leute, die das nicht nur wie ich ab und an machen, um „mal was anderes“ zu sehen, sondern die damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

    Die Diskriminierung ist wohl über § 8 AGG – Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen beruflicher Anforderungen – gerechtfertigt. Man stelle sich mal einen Film über ein Mädcheninternat vor, mit 60-jährigen Lustgreisen als „Schülerinnen“.😉

    • Willi Figura sagt:

      Es ist zwar traurig, das es so etwas gibt, was in keinem Verhältnis mit den Verdiensten der anderen Schausteller steht, aber für einen der das Geld braucht, ist es ein günstiger Zuverdienst. Die meiste Zeit zählt die Anwesenheit, denn gebraucht wird man nur kurzzeitig und so ist es eine leichte Beschäftigung. Mann bekommt sein Geld bar auf die Hand gezahlt, und hat seine Zeit noch mehr oder weniger sinnvoll genutzt.
      Anders ist es bei einer Bekannten von mir. Sie ist gelernte Frisösin, arbeitet für einen Bruttolohn von 7,15 € und fährt jeden Tag mit dem Pkw 30 Km zur Arbeit.
      Der Unterschied ist, sie arbeitet 90% ihrer Arbeitszeit, errichtet schwere Arbeit (stehende Arbeit, immer die Hände über die eigenen Schulter), hat täglich bis zu 2 Stunden unbezahlte Fahrzeit, muß die Benzinkosten zahlen, ist auch bis zu 10 Stunden täglich unterwegs, und hat nach allen Abzügen auch nur 5 €/ Std. auf die Hand.
      Da fragt man sich wem geht es besser

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