Nur auf Nachfrage

Auf der Beratungsplattform frag-einen-anwalt.de sucht heute ein Scheidungswilliger aus Bayern Antworten. Davon abgesehen, dass er für insgesamt zwölf nicht unbedingt einfach zu beantwortende Fragen nur den Mindesteinsatz anbietet, scheint er auch grundsätzliche Probleme mit den Rechten und Pflichten eines Anwaltes zu haben. 

So schreibt er:

„Wir wollten die Scheidung zusammen mit einem Rechtsanwalt regeln, doch ich habe das Gefühl, dass die betreuende Rechtsanwältin mehr zugunsten der Frau berät (die offizielle Auftraggeberin ist) und mir Sachen nur auf explizite Nachfrage mitteilt, wie zB die Abzugsfähigkeit meiner Berufsunfähigkeitsversicherung vom Treffnungsunterhalt.“

Seine Ehefrau hat also eine Anwältin beauftragt. Und diese berät tatsächlich „mehr zugunsten der Frau.“

Loriot hätte jetzt gesagt: „Ach!“ Denn der mit Durchführung des Scheidungsverfahrens beaufragte Anwalt darf natürlich nicht beide Eheleute vertreten. Es gilt das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen (§ 43a Abs. 4 BRAO). Und solche widerstreitenden Interessen liegen in Scheidungsverfahren auf der Hand, wie der Fragesteller selbst schön herausgearbeitet hat. Der Anwalt darf dabei nur seinen Mandanten vertreten und beraten.

Es ist es zwar zulässig, dass in einvernehmlichen Scheidungsverfahren nur eine Partei anwaltlich vertreten wird und der andere Ehepartner dem Scheidungsantrag zustimmt – dafür benötigt er nämlich keinen eigenen Anwalt. Die Kosten können dann intern geteilt werden.

Es spricht dann auch nichts dagegen, dass der Ehepartner (= Antragsgegner), an gemeinsamen Besprechungen auf ausdrücklichen Wunsch des Mandanten teilnimmt. Der Anwalt muss dann aber immer darauf hinweisen, dass er nur die Interessen seines Mandanten vertritt und im Zweifel diesen unter vier Augen beraten.

Andernfalls setzt sich der Anwalt nämlich der Gefahr des Parteiverrats aus. Und der wird nach § 356 StgB mit Freiheitsstrafe zwischen 3 Monaten und 5 Jahren bestraft.

5 Responses to Nur auf Nachfrage

  1. Erstaunlich, dass sich immer noch keiner der Eliteanwälte von 123-recht auf den sagenhaften Einsatz von 25 € gestürzt hat. Die sind sich doch sonst für nichts zu schade.

    • Dieser Einsatz ist sogar mir zu gering. Und ich bin da sonst nicht so zimperlich.

  2. Dr.Rossburg sagt:

    Jau, die mitternächtlichen 25-Euro-§§-Quäler. Bevorzugt aus der Gegend, die ausser BECKS nichts Nennenswertes hervorbrachet und der Dom-Stadt.

    Ich schmeiss mich wech… .

    :————————————)

  3. Aus einer (internen) deutschen Anwaltliste, gerade reinbekommen:

    „Mandant (2,0 Promille) hat dem Doktor bei der Blutentnahme eine gelangt. StA will 20 TS obwohl sich Mandant entschuldigt, der Dr. akzeptiert und ein SG bekommen hat. Die Richterin meint, er sei gut bedient und lehnt eine Einstellung entrüstet ab.
    >
    > Nun will ich ihr bissel was zu denken geben, z.b. Notwehr, weil er dachte, es gäbe keinen richterlichen Beschluss. Alternativ vielleicht: Erlaubnistatbestandsirrtum.
    >“

    –no comment– TR

  4. dirksands sagt:

    Das Problem ist halt die Aufklaerung durch den Anwalt. Wird wohl gelegentlich „vergessen“. Manch Otto-Normal duerfte bei einer Scheidung schlicht davon ausgehen, dass sein Gegner der Staat ist und daher der Anwalt beide Eheleute gleichsam vertritt. Einfach mal am Stammtisch die Frage besprechen. Daran glaubt bestimmt eine deutliche Mehrheit. Nunja, vielleicht nicht gerade am Juristen-Stammi😉

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