Beruf verfehlt

Ein Berliner Kollege, der mich zudem persönlich kennt, scheut sich nicht, mich in einem Blog-Beitrag als rassistisch zu brandmarken. Warum? Weil ich es gewagt habe, aus der albernen Pose eines italienischen Fußballspielers die naheliegende Schlussfolgerung abzuleiten, dass der Mensch vom Affen abstammt. Hätte es sich dabei um Herrn Pirlo gehandelt, wäre der Kollege nie auf die Idee gekommen, dies als rassistisch zu brandmarken. Aber es handelte sich um Mario Balotelli und seine an King Kong erinnerende Pose nach seinem 2:0 gegen Deutschland, wie sie im Anschluss durch die Medien ging.

Ein anderer Kollege, der auf Facebook dieses Foto der „11 Freunde“ geteilt hat, wurde ebenfalls kurzerhand zum Rassisten erklärt.

Nun ist mir der Rassismus-Vorwurf zu dämlich, als ihm mehr Aufmerksamkeit zuzubilligen, als er verdient. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Rassist bin. Und wer primatenhaftes Verhalten nur bei dunkler Hautfarbe erkennt, sollte sich überlegen, ob er nicht selbst in rassistischen Denkgewohnheiten verhaftet ist.

Bedenklich stimmt mich aber, dass dieser Vorwurf von einem Strafverteidiger kommt. Diesem sollte der Begriff „Unschuldsvermutung“ schließlich nicht ganz unbekannt sein. Ebensowenig wie Paragraph 201 StGB.

Auch das gehört veröffentlicht. Damit man sich ein Bild machen kann – von Strafverteidigern.

13 Responses to Beruf verfehlt

  1. RA JM sagt:

    AchGottAchGott – als Anwalt muss man so einiges aushalten, oder?

  2. Noriega Tubbs sagt:

    Anweisungen, um sich nicht wie ein Dummkopf Aufzuführen, nachdem Du des Rassismus bezichtigt wurdest. http://evilmelblog.blogspot.de/?zx=36b5a80d1c65f4f3

  3. Tourix sagt:

    Herr Hoenig ist recht launig.
    Daher nicht wirklich ernst zu nehmen.

    • Herr Hoenig ist ein äußerst kompetenter Kollege. Ich nehme ihn immer ernst.

  4. Tourix sagt:

    Ich bezog mich auch nicht auf seine berufliche Kompetenz.

  5. K. M. Wilpert sagt:

    Bei Herrn Hönig gefällt mir, dass er aktiv gegen das braune Gesocks bloggt.
    Und dann denke ich, dass es besser ist, einmal zu viel als einmal zu wenig solchen Tendenzen etwas entgegenzusetzen. Und weiß bleibt nach dem falschen Eindruck, Herr Schwartmann äußere sich rassistisch?: Bei allen Lesern wird das notwendige Problembewusstsein gestärkt …

  6. Ich hab gerade übrigens irgendwo gelesen, dass Balotelli ganz bewusst als King Kong posiert hat, um eine Karrikatur in einer italienischen Zeitung zu konterkarieren … die Assoziation war also sogar von ihm gewollt. Der böse Bube … wieso hat ihm denn niemand gesagt, dass das rassistisch ist?

  7. K. M. Wilpert sagt:

    http://www.em2012.com/mario-balotelli-king-kong-schickt-deutschland-nach-hause-em-2012-1233786.html

  8. Steven sagt:

    Vor allem stammt der Mensch nicht vom Affen ab. Wann verschwindet diese merkwürdige Ansicht endlich.

  9. Joerg sagt:

    In diesem Land ist man des Rassismus schnell verdächtig. Nachdem ich bei der Linkspartei bei FB die Idee der 100% Besteuerung kritisierte, wurde ich als Faschist gebrandmarkt, da ich die Linke kritisierte und damit ein angepasster Staatstreuer sein muss. Heute scheint das die einzige Möglichkeit zu sein um schnell jemand zu diskreditieren. Leider!

  10. Wir sind in diesem Land schon lange auf der Ebene, daß jede Kritik, die den quasi-staatlichen Vorgaben nicht folgt, in eine böse Schublade gepackt werden. Da gibt es die Schubladen von rechtsextrem bis linksextrem, von rassistisch über antisemitisch zu wasweißichnochalles. Und wenn es noch keine Schublade gibt, dann heißt es: „Das kann man aber so nicht sagen!“ oder „geschmacklos“. Fertig.
    Am Ende führt das seit Jahren zu einer de-fakto-Meinungsunfreiheit.
    Und wenn dann (selbst erlebt) in der Anlage zum Arbeitsvertrag steht, daß man in öffentlichen Blogs und Diskussionen – als Privatperson – nur Positionen einnehmen soll, die der Philosophie des Unternehmens nicht widersprechen, dann haben wir bereits DDR-ähnliche Verhältnisse.

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