PayPal und Weihwasser

Mein Mandant verkauft über ebay.de seine gebrauchte Stereoanlage für 800 EUR. Der Käufer sitzt in Spanien. Gezahlt wird über PayPal und im Anschluss daran die Stereoanlage ordnungsgemäß verpackt und verschickt. Nach Erhalt meldet sich der Käufer: Die Stereoanlage sei defekt, dieses und jenes funktioniere nicht. Er werde die Anlage zurückschicken.

Mein Mandant sagt, nun gut, dann schaue ich mal, ob ich nachbessern kann. Als die Stereoanlage wieder bei ihm eintrifft, traut er seinen Augen nicht: Der Käufer hatte sie unzureichend verpackt, so dass sie nun in der Tat irreparabel beschädigt ist. Dies teilt mein Mandant PayPal mit, die gleichwohl dem Käufer im Rahmen des sog. Käuferschutzes den Kaufpreis erstatten und das PayPal-Konto meines Mandanten entsprechend belasten.

Glücklichweise hatte der aber den Kaufpreis vorher schon auf sein Bankkonto überwiesen. PayPal fordert ihn nun auf, das Konto wieder auszugleichen. Er weigert sich. Dass PayPal dem Käufer den Kaufpreis erstattet hat, ist schließlich nicht sein Problem.

PayPal mahnt. PayPal mahnt nochmals. PayPal schaltet eine Hamburger Anwaltskanzlei ein. Diese mahnt nun auch und bezieht sich auf eine Käuferbeschwerde: „Hintergrund dieser Käuferbeschwerde war die Behauptung des Käufers, die Ware sei erheblich von der Artikelbeschreibung abgewichen. Ihr Vorbringen, der Käufer habe die erstandene Ware irreparabel beschädigt, entzieht sich hingegen unserer Kenntnis und wird bestritten.“ Aha, so einfach ist das: Behauptungen des Käufers wird geglaubt, aber Darlegungen des Verkäufers werden mit Nichtwissen bestritten. Er hat natürlich weiterhin nicht gezahlt. Auf das Anwaltssschreiben haben wir nicht mehr reagiert, da die Angelegenheit ausgeschrieben ist.

Gleichwohl kam nach 4 Wochen eine Erinnerung: „Da wir bis heute keine Nachricht von Ihnen vorliegen haben, bitten wir höflich um Sachstandsmitteilung.“ Darauf haben wir wieder nicht reagiert.

Heute nun ging ein weiteres Fax ein: „Lediglich als letztes Entgegenkommen und zur Vermeidung des gerichtlichen Mahnverfahrens unterbreitet unsere Mandantin folgenden Vergleich: […] Bei fruchtlosem Ablauf der in diesem Schreiben gesetzten Frist ist dieses Vergleichsangebot hinfällig und unsere Mandantin hält die Vergleichsverhandlungen für gescheitert. In diesem Fall werden wir ihr empfehlen, ohne weitere Vorankündigung das Verfahren gegen Ihre Mandantschaft fortzusetzen.“

PayPal versucht also alles, um eine Klage zu vermeiden. Denn PayPal scheut Klagen wie der Teufel das Weihwasser. Das ist verständlich, wenn man sich die Geschäftspraktiken und abstrusen und kundenfeindlichen Nutzungsbedingungen dieser eBay-Tochter einmal genauer anschaut.

Meinem rechtsschutzversicherten Mandanten habe ich jedenfalls geraten, auch weiterhin nicht nachzugeben. Soll PayPal doch klagen. Dann darf sich endlich ein Gericht mit der spannenden Frage beschäftigen, ob die AGB von PayPal überhaupt einer rechtlichen Überprüfung standhalten.

4 Responses to PayPal und Weihwasser

  1. irgendwer sagt:

    Warum wohl hat Ebay in seiner Kundenrufnummer die 666 manifestiert? Bestimmt nicht weil sie so gute Menschen sind.

  2. SH4DY sagt:

    Sehr interessant, genau diese Frage stelle ich mir oft wenn PayPal seinen Käuferschutz anpreist. Dass die privaten Verkäufer, die ja sogar noch Gebühren zahlen für eingehende Zahlungen, dann die leidtragenden sein sollen ist total abstrus.

  3. jemand sagt:

    ist doch seit jahren bereits bekannt, dass paypal eine abzocker und betrüger vereins ist, dass dein geld für 180 tage zinslos einfrieren kann und erst dann wieder an dich zurückgeben. hatte bereits vor jahren probleme, wo meine ca 10.000 euro auf meinem paypal konto eingefroren waren, angeblich machte ich zu riskanten geschäfte für paypal und deswegen wurden von mir alle mögliche unterlagen, fast meine nachten fotos und meine unterhosen musste ich hinschicken, zur überprüfung meiner geschäften, dann waren aber doch zu riskant alle meine geschäfte für paypal, wollten mit mir nichts zutun haben aber auch mein paypal-konto mit 5-stelligen guthaben nicht mehr freigeben, hatten angst, dass jemand beschwerde einlegt und dann wie in vorliegendem fall paypal geld dem käufer erstattet und dann das geld von mir einfordern muss. naja keine einzige beschwerde wurde eingelegt, und ich kriegte doch nach 180 tage die erlaubnis mein 5-stelligen betrag auf mein bankkonto abzuheben. aber keine zinsen und keine entschädigung dass ich in der zeit von 6 monate allen kunden die leistungen erbracht habe, aber nicht auf mein geld zugreifen konnte. mein geschäft war runiert für immer. danke dir paypal!
    z.b. noch beispiele: http://search.testberichte.ebay.de/members/wmtransfer
    p.s. sorry für fehler, habe sehr schnell eingetippt.

  4. Frank sagt:

    Was ich nicht verstanden habe, warum soll der Käufer das Ganze veranstalten und die gekaufte gut funktionierende Stereo-Anlage ohne Grund zurück zu schicken. Wo ist sein Nutzen?

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