Briefe, die ich nie erhielt – Folge 1

Sehr geehrter Herr Kollege,

wir zeigen an, dass wir die Interessen des Herrn Max Müller vertreten und versichern anwaltlich ordnungsgemäße Bevollmächtigung.

Ihr Schreiben vom 01.04.2012 liegt uns vor und wir dürfen dazu wie folgt Stellung nehmen:

Selbstverständlich haben Sie mit Ihren Ausführungen zur Sach- und Rechtslage in jeder Beziehung Recht. Der von Ihrem Mandanten geltend gemachte Schadensersatzanspruch steht diesem vollumfänglich zu, denn unsere Partei hat nachweislich die Rechte Ihres Mandanten erheblich verletzt und diesem einen kaum wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Die geforderte Summe hat unsere Partei bereits unmittelbar nach Eingang Ihres Schreibens zur Anweisung gebracht und darüber hinaus ein weitere Zahlung angewiesen, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Seien Sie versichert, dass unsere Partei selbstverständlich auch alle weiteren, von Ihnen noch nicht angesprochenen, aber gleichwohl in Frage kommenden Ansprüche Ihres Mandanten befriedigen wird. Wir überreichen dazu vorsorglich die anliegende Einzugsermächtigung.

Die Ihrem Mandanten entstandenen Kosten hat unsere Partei bereits erstattet. Erlauben Sie uns aber bitte kollegialiter den Hinweis, dass der Ansatz einer 1,3 Geschäftsgebühr selbstverständlich der Bedeutung der Angelegenheit für Ihren Mandanten nicht angemessen erscheint. Wir haben unserer Partei daher empfohlen, Ihre Kosten auf der Basis einer 2,5 Geschäftsgebühr zu erstatten.

Wir bedanken uns für die Ehre, mit Ihnen korrespondiert haben zu dürfen.

Mit ergebensten kollegialen Grüßen

Rechtsanwalt

Dann klingelte leider der Wecker.

10 Responses to Briefe, die ich nie erhielt – Folge 1

  1. NLG sagt:

    Dass der Kollege kein Angebot zur Unterwerfung unter die sofortige Zwangsvollstreckung angeboten hat, mag man da aber noch bemängeln…

    • Wieso ZV, er hat doch direkt gezahlt.😉

      • NLG sagt:

        Da stand doch: „Seien Sie versichert, dass unsere Partei selbstverständlich auch alle weiteren, von Ihnen noch nicht angesprochenen, aber gleichwohl in Frage kommenden Ansprüche Ihres Mandanten befriedigen wird. Wir überreichen dazu vorsorglich die anliegende Einzugsermächtigung.“

        Und ne ZV-Unterwerfung ist mir dann doch lieber als ne EE😀

  2. asta sagt:

    Großartig!

  3. Anno Nüm sagt:

    Was, so einen Brief haben Sie noch nie erhalten? Mir ist das schon mehrfach passiert!!

    • Ich war mir sicher, dass dieser Kommentar kommen würde.🙂

      • NLG sagt:

        Der Kollegen Nüm meint damit aber sicherlich die Aufforderungen an seine Mandanten, derartige Erklärungen abzugeben😉

  4. Hahahaaaaa, danke für den Lacher am Morgen🙂

  5. scnr sagt:

    da fehlt dann aber noch ein
    „PS: nach einem Klick auf Ihre Homepage möchte ich noch erwähnen, dass Sie extrem gut aussehen!“

    • Selbstverständlichkeiten haben in anwaltlichen Schriftsätzen nichts verloren.

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