Taxifahrer-Prosa

Aus der Einlassung eines Unfallgegners:

Auf Grund der spontanen beschlossenen Routenänderung habe ich wohl mal eben verdrängt, dass mir ein paar Sekunden Beobachtungsprotokoll des rückwärtigen Verkehrs fehlten, so dass ich die optische Prüfung über die Spiegel des Fahrzeugs falsch interpretierte. Der in dieser Zeit hinter mir aufgerückte Mini der Frau G. war in meinen Seitenspiegeln nicht zu sehen und wie ich später bemerkte, war der Innenspiegel im Abblendmodus. […] Jedenfalls habe ich demonstriert, dass man auch nach 38 Jahren Fahrpraxis noch Möglichkeiten finden kann, sein Wahrnehmungssystem zu überlisten. Da der Mini mit seinen Scheinwerfern bereits unter der hohen rückseitigen Fensterkante der B-Klasse eingetaucht war, habe ich wohl das Abblendspiegelbild des Innenspiegels als leere breite Straße in der aufkommenden Morgendämmerung wahrgenommen. Vermutlich habe ich diese Fehlinterpretation zugelassen, weil jedes Fahrzeug, welches ein wenig mittezentrierter positioniert oder ein wenig weiter hinten stehend oder auch nur ein wenig länger oder breiter als ein Mini wäre, in einem der beiden Seitenspiegel sichtbar gewesen wäre. Wieder einmal hat sich das Gesetz bestätigt, auf das unwahrscheinlichste passiert irgendwann. Klar war das mein Fehler.“

Ein literarisch begabter Taxifahrer. Was er damit ausdrücken will, lässt sich aber auch kürzer sagen: „Ich habe beim spontanen Zurücksetzen den Mini hinter mir nicht gesehen. Da hat es geknallt. Ich bin schuld.“

One Response to Taxifahrer-Prosa

  1. Dr. med. Taxifahrer? Herrlich🙂

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