Geiz ist nicht geil

Ein möglicher Neumandant ruft an um sich zu erkundigen, ob er in einer Mietsache für einen Gütetermin mit mündlicher Verhandlung vor dem Amtsgericht unbedingt einen Anwalt braucht. Ich erkläre ihm, dass er aus rechtlichen Gründen keinen Anwalt benötigt – Anwaltszwang gibt es in Mietprozessen vor dem Amtsgericht jedenfalls nicht. Aber wenn er Zahnschmerzen habe, würde er doch sicherlich auch keine Zange aus dem Werkzeugkasten nehmen und selbst Hand anlegen. Das sah er ein und will nun über eine Beauftragung nachdenken.

Das ist auch dringend zu empfehlen, denn es geht um angebliche Mietrückstände in Höhe von 10.000 EUR und die Rechtslage ist nicht so einfach, wie sie sich ihm vielleicht noch darstellt.

Guter Rechtsrat hat seinen Preis und die Gebühren für die Vertretung in einem gerichtlichen Verfahren sind gesetzlich zwingend und dürfen nicht unterboten werden. Aber die vermeintliche Kostenersparnis durch Selbstvertretung kann schnell ins Auge gehen und den verklagten Mieter teurer zu stehen kommen, als ihm lieb ist.  Wenn er gewinnt, muss der Gegner die Kosten erstatten. Und das Risiko, zu verlieren und auch noch die Kosten des Gegners tragen zu müssen, ist ohne Anwalt ungleich größer.

3 Responses to Geiz ist nicht geil

  1. So wie viele Leute feststellen müssen, das kein Steuerberater mitunter teurer ist als ein Steuerberater.

  2. Pascal Rosenber sagt:

    @StB_Roland_Ecke: Naja, bei einem „normalen“ Arbeitnehmer ist es in der Regel bei weiten nicht so, dass „kein“ Steuerberater das selbe Ergebnis nach sich trägt, als „kein“ Anwalt. Ich jedenfalls habe es mit einem Steuerprogramm für 30 Euro (WISO) bis jetzt jedes Jahr geschafft, mein Finanzamt zur Rücküberweisung eines dreistelligen Betrags zu animieren. Ein Steuerberater hätte das sicher auch geschafft, aber auch nach dieser Seite hier: http://steuerberatervergütung.de so circa 220 Euro pro Jahr gekostet. Da das Finanzamt da ja nur einen Teil von „zurückerstattet“ hätte ich einen Großteil dessen, was möglich ist auch wieder an den Steuerberater weitergereicht. Insofern ist hier „kein“ Steuerberater dann wohl doch besser als „ein“ Steuerberater.😉

  3. Wie oft geht man als Prozessbeteiligter zur Verhandlung, in der erst sich herausstellt, dass man nur mangelhaft Deutsch spricht. Vorher ist es nicht aufgefallen, weil beim Anwaltstermin jemand aus der Verwandtschaft dolmetschte und ggf. im korrekten Deutsch am Schriftverkehr teilnahm… Oft hat man auch Angst, auf hohen Kosten sitzen bleiben zu müssen, die ein ggf. hinzuzuziehender Dolmetscher „verursachen“ würde…
    Wie oft versucht man auch bei der Polizei zu sparen, wenn es um die Dolmetscher und Übersetzer geht, denn es gebe ja auch im Hause so viele Polizisten, die der Fremdsprachen mächtig sein wollen… Wozu denn die neuen Kosten produzieren?
    Neuerdings habe ich bei einem Polizeipräsidium gedolmetscht und rein zufällig einige auf Russisch „übersetzte“ Formulare zu Gesicht bekommen, u. a. die der Beschuldigtenbelehrungen.
    Da wurde ich sprachlos, als ich sah, dass es statt „rechtskräftig Verurteilte“ – „rechtmäßig Verurteilte“ hieß, statt „sich an einen Verteidiger wenden“ – „sich an einen Abwehrspieler bzw. einen Beschützer wenden“, statt „Sie als Betroffener“ – „Sie als Täter“, „Ihnen wird die Straftat vorgeworfen“ – „Sie haben die Straftat begangen“ usw. …

    Tja, money makes the world go round (c)…

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