rka und die Feuerzangenbowle oder: Wir stellen uns mal wieder ganz dumm!

Meinem Mandanten wird eine Urheberrechtsverletzung vorgeworfen. Er soll das Spiel „Risen 2“ der Firma Koch Media GmbH unerlaubt über Filesharing-Software öffentlich zugänglich gemacht haben. Das behauptet jedenfalls die Anwaltskanzlei rka. Dumm für rka und die Koch Media GmbH ist allerdings, dass mein Mandant zum Tatzeitpunkt nachweislich in der Türkei geweilt hat. Und das habe ich den Kollegen auch am 20.01.2016 so geschrieben:

Sie werfen meinem Mandanten vor, am 27.08.2012 eine Urheberrechtsverletzung begangen zu haben. Das ist unmöglich: Mein Mandant befand sich vom 26.08.2012 bis zum 22.03.2013 in E. (Türkei). Zum vermeintlichen Tatzeitpunkt war er also nicht in Deutschland. Dies kann selbstverständlich im Streitfall nachgewiesen werden.
Der Telefon- und Internetanschluss in der XY-Straße in S. wurde während seiner Abwesenheit von folgenden volljährigen Familienmitgliedern genutzt:
Ehefrau: L. A. (43), Sohn: A. A. (22), Tochter: M. A. (20)
Die Familienmitglieder haben auf Nachfrage die Tatbegehung bestritten.

Und was antwortet mir der Kollege von rka am 09.02.2016?

Bitte benennen Sie Namen, Vornamen und Anschrift sowie ggfl. Alter und gesetzliche Vertretungsverhältnisse desjenigen, der die Rechtsverletzung begangen hat bis 19.02.2016.

Was bitte ist an „Die Familienmitglieder haben auf Nachfrage die Tatbegehung bestritten“ so unverständlich?

Übrigens: Das Amtsgericht Hamburg hat bereits in einem Urteil vom 28.04.2014 (Az.: 31c C 53/13) entschieden, dass Eltern ihre (volljährigen) Kinder nicht als Täter benennen müssen, selbst wenn Sie Kenntnis von der Täterschaft haben. Klägervertreter waren auch damals die Anwälte von rka. Und die mögen offensichtlich die Feuerzangenbowle. Denn wie heißt es da so schön? „Da stelle mer uns wieder janz dumm!“

One Response to rka und die Feuerzangenbowle oder: Wir stellen uns mal wieder ganz dumm!

  1. Werniman sagt:

    Das Hamburger Urteil ist ja nun nicht das einzige Urteil,welches eine Täternennung verneint,sondern derartig Ermittlungen in das Aufgabengebiet des Klägers legt. Es gibt einen umgangssprachlichen Begriff,für das,was die Abmahner da tun: Dummenfang. Weist man diese Herrschaften sogar noch gezielt auf solch ein Urteil hin,welches sogar sie selbst kassiert haben,kommen dann ganz gerne mal irgendwelche Ausflüchte,wieso das für den aktuell vorliegenden Fall gar nicht gelten kann. Ist die Sache hingegen umgedreht,wird selbst eine nichtmal ansatzweise übertragbare Fallkonstellation 1:1 auf Filesharingfälle umgemünzt. Da denke ich beispielsweise an das bekannte Motoradteile-Urteil des BGH,wenn es um die Dauer der Verjährung geht.

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