Kategorie-Archive: Verkehrsrecht

Keine Entbindung ohne schriftliche Vollmacht

Gestern abend wurde ich um 18 Uhr von einem Kollegen beauftragt, in einer Bußgeldsache einen Termin vor dem Amtsgericht Mettmann in Untervollmacht wahrzunehmen. Eine Untervollmacht war beigefügt, ebenso ein Antrag auf Entpflichtung des Betroffenen vom persönlichen Erscheinen.

Die Voraussetzungen dafür lagen vor: Der Mandant erklärte über den Hauptbevollmächtigten, “daß er sich in der Hauptverhandlung nicht zur Sache äußern werde, und seine Anwesenheit zur Aufklärung wesentlicher Gesichtspunkte des Sachverhalts nicht erforderlich ist.” Seine Fahrereigenschaft hatte er nämlich bereits eingeräumt.

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Die Geschichte vom nackten Mann

Heute Mittag, Terminvertretung vor dem Amtsgericht Düren in einer Bußgeldsache. Dem Mandanten wurde vorgeworfen, vor ein paar Monaten von der Polizei mit dem Mobiltelefon am Ohr erwischt worden zu sein. Das alleine wäre natürlich noch kein Grund für einen Bußgeldbescheid. Dummerweise soll er dabei aber am Steuer seines Autos gesessen haben, das leider auch nicht geparkt war sondern fuhr. Nachdem die Polizeibeamten ihn also angehalten hatten und ihn mit dem Tatvorwurf “Handytelefonat während der Fahrt” konfrontierten, räumte der Mandant den Verstoß auch umgehend ein – um sich dann aber, während ein Beamter das Protokoll schrieb, eines Besseren zu besinnen und dem Beamten sagte, er könne den Verstoß nun doch nicht zugeben, schließlich habe er ja schon ein paar Punkte in Flensburg.

Der Bußgeldbescheid kam dann kurze Zeit später natürlich trotzdem und bescherte dem Mandanten nicht nur eine Geldbuße, sondern auch einen weiteren Punkt. Dagegen legte er Einspruch ein und nahm anwaltlich Akteneinsicht. Der Einspruch wurde nicht begründet, heute wurde dann also vor Gericht darüber verhandelt.

Der Mandant nutzte dann die Gelegenheit klarzustellen, dass es sich natürlich gar nicht um ein Mobiltelefon gehandelt habe, das er ans Ohr gehalten habe, sondern – tätärä: um ein Diktiergerät.

“Das habe ich hier schon tausendmal gehört” antwortete der Richter. “Haben Sie das Diktiergerät dabei?” – “Nein, das liegt bei meiner Sekretärin auf dem Schreibtisch.” Der Richter: “Da konnten Sie natürlich auch nicht mit rechnen, dass ich das Diktiergerät gerne gesehen hätte?”

Der Polizist wurde dann als Zeuge vernommen. “Was haben Sie dem Betroffenen gesagt, als Sie ihn angehalten hatten?” – “Das wir ihm vorwarfen, am Steuer mit dem Handy telefoniert zu haben.” – “Und wie hat er reagiert?” – “Er hat den Verstoß zugegeben.” – “Hat er denn nicht gesagt, dass das kein Handy, sondern ein Diktiergerät gewesen ist?” – “Nein”. – “Wie hat er das Gerät denn gehalten?” – “Wie man ein Handy beim Telefonieren hält.” Der Zeuge führt es vor. Ein Diktiergerät hält man so in der Tat nicht, wenn man etwas diktiert.

Der Richter fragte den Mandanten dann, ob er die Geschichte vom nackten Mann kenne. “Nein.”

“Der Ehemann kommt nachmittags früher von der Arbeit nach Hause. Er findet seine Frau nackt und etwas verschwitzt im Bett liegend vor. Misstrauisch öffnet er den Kleiderschrank. Dort findet er einen nackten Mann, der sich an der Kleiderstange festhält. ‘Was machen Sie denn hier?’ – ‘Ach nichts, ich warte hier nur auf die Linie 13.‘ Und an diese Geschichte vom nackten Mann muss ich immer denken, wenn man mir hier so etwas erzählt. Nehmen Sie den Einspruch zurück oder möchten Sie ein Urteil in dem Sachen stehen, die Sie nicht lesen möchten?”

Wir haben den Einspruch zurückgenommen.

Kölner Blitzerskandal: Die doppelte Gerichtsakte

Vor einiger Zeit stellte ich fest, dass eine Mandantin vom sogenannten Kölner Blitzerskandal betroffen war. Der Bußgeldbescheid war rechtskräftig geworden, sie zahlte eine Geldbuße von 200 EUR, bekam 2 Punkte im Verkehrszentralregister und fuhr einen Monat mit der KVB anstatt mit dem eigenen Auto.

Nachdem dann durch die Presse ging, dass die Blitzeranlage, der sie dieses Ungemach zu verdanken hatte, fehlerhaft betrieben worden war, stellte ich für sie zunächst den üblichen Antrag bei der Gnadenstelle der Bezirksregierung – und beantragte beim Amtsgericht Köln die Wiederaufnahme des Bußgeldverfahrens nach § 85 OWiG.

Sehr groß war die Freude, als mich zwei Wochen später ein Schreiben des Gerichts erreichte, dass man beabsichtige, das Verfahren nach § 47 Abs. 2 OWiG einzustellen, da das Gericht “eine Ahndung nicht für geboten” hielt. Nachvollziehbar, denn schließlich hatte die Mandantin ja bereits das Fahrverbot absolviert, ohne tatsächlich (ausreichend) zu schnell gewesen zu sein.

Wir stimmten also zu und der Einstellungsbeschluss erging eine Woche später:
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Flugs wurde die Stadt angeschrieben und zur Erstattung der Geldbuße und Veranlassung der Punktetilgung aufgefordert.

Um so erstaunter war ich daher, als nun ein weiteres Schreiben des Gerichts in der Post lag, in dem mitgeteilt wurde, dass die Stadt die Akte an die Gnadenstelle der Bezirksregierung übersandt habe:
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Unterzeichnet war diese Verfügung von der gleichen Richterin, die 5 Wochen zuvor bereits den Einstellungsbeschluss erlassen hatte. Allerdings trug der Beschluss ein Aktenzeichen der Abteilung 809, während das neue Schreiben von der Abteilung 814 kam.

Ein Anruf auf der Geschäftsstelle der Abteilung 814 vergrößerte die Verwirrung zunächst: Der Einstellungsbeschluss der 809 betreffe gar nicht die A3-Blitzer-Sache, sondern ein anderes Bußgeldverfahren. Mein Wiederaufnahmeantrag ruhe jetzt jedenfalls.

Seltsam war nur, dass weder meine Mandantin von einem weiteren Verfahren wusste, noch hatte ich mich überhaupt in einer zweiten Sache für sie bestellt.

Also rief ich bei der Abteilung 809 an. Deren Akte war schon zurück an die Staatsanwaltschaft gegangen und von dort zum Kostenbeamten. Man konnte mir aber mitteilen, dass das 809er Aktenzeichen das hier bekannte Bußgeldverfahren und meinen Wiederaufnahmeantrag betraf. Dieses Verfahren ist also rechtskräftig eingestellt worden.

Nun muss die Abteilung 814 – die ebenfalls dieses Verfahren bearbeitet – prüfen, warum für meinen Antrag zwei Akten bei zwei verschiedenen Geschäftsstellen angelegt wurden. Meiner Mandantin kann das im Ergebnis egal sein – denn der Einstellungsbeschluss ist rechtskräftig und damit eine Tilgung der Punkte und Erstattung der rechtsgrundlos gezahlten Geldbuße geboten.

Blitzerskandal auf der A3: Verfahren nach Antrag eingestellt

Meiner Mandantin wurde von der Stadt Köln vorgeworfen, im Oktober 2016 auf der A3 am Kreuz Köln-Ost an der Anschlusstelle Königsforst 49 km/h zu schnell gefahren zu sein. Sie fuhr dort mit einer Geschwindigkeit von 109 km/h und die dort eingerichtete Blitzer-Anlage löste ab 60 km/h aus. Unter dem Stichwort “Kölner Blitzerskandal” findet Google zu diesem Thema zahlreiche Beiträge (nicht nur) auf der Lokalpresse.

Durch Bußgeldbescheid der Stadt Köln wurden meiner Mandantin ein einmonatiges Fahrverbot, 2 Punkte in Flensburg und eine Geldbuße von 200 EUR aufgebrummt.

Der Bußgeldbescheid wurde rechtskräftig, die Geldbuße bezahlt und der Führerschein für einen Monat abgegeben.

Nachdem sich nun herausgestellt hat, dass die Messung fehlerhaft war, habe ich für die Mandantin einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens nach § 85 OWiG gestellt. Tatsächlich hätte der Blitzer nämlich erst ab 80 km/h messen dürfen – diese Geschwindigkeit war an der Messstelle erlaubt.

Das Gericht hat nun mitgeteilt, dass es das Bußgeldverfahren nach § 47 Abs. 2 OWiG einstellen wird, weil es eine Ahndung nicht für geboten erachtet. Dem hat auch die Staatsanwaltschaft zugestimmt.

Die Geldbuße von 200 EUR muss also erstattet werden, ebenso werden die 2 Punkte in Flensburg und das Fahrverbot wieder gelöscht.

Bei der Entscheidung des Gerichts dürfte eine Rolle gespielt haben, dass die Mandantin bereits einen Monat auf den Führerschein verzichtet hatte – das ist auch nicht mehr zu ändern. Sie wird sich aber nun sicher freuen.

Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad

Ein Anrufer berichtete mir, er sei gestern Abend von der Polizei auf dem Fahrrad angehalten worden: Ein Bluttest habe einen Blutalkoholkonzentration von 2,0 Promille ergeben. Was nun?

Nun droht zunächst eine Anklage wegen Trunkenheit im Verkehr gem. § 316 StGB, da bei einer BAK von 1,6 Promille von absoluter Fahruntüchtigkeit auszugehen ist. Schon deshalb ist also Akteneinsicht zu nehmen und die Verwertbarkeit der Blutuntersuchung anwaltlich zu prüfen.

Ein Fahrverbot durch das Gericht (§ 44 StGB) droht dem Mandanten zwar ebenso wenig, wie die Entziehung der Fahrerlaubnis (§ 69 StGB), denn die genannten Vorschriften beziehen sich nur auf das Führen von Kraftfahrzeugen und nicht auf Fahrräder.

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Allerdings ist die Staatsanwaltschaft verpflichtet, der Fahrerlaubnisbehörde Mitteilung von dem Vorfall zu machen, wenn der Verdacht eines fahrerlaubnisrelevanten Verstoßes vorliegt. Davon ist hier auszugehen, denn die Fahrerlaubnisbehörde muss bei absoluter Fahruntüchtigkeit eine MPU anordnen.

Das habe ich dem Anrufer auch direkt mitgeteilt, damit er sich frühzeitig darauf einrichten kann. Die von der Behörde zur Abgabe der MPU gesetzte Frist kann nämlich sehr kurz bemessen sein, was dann in der Regel dazu führt, dass sich der Betroffene nicht ausreichend mit seinem Trinkverhalten auseinandersetzen kann, die MPU nicht besteht – und die Fahrerlaubnis dann letzten Endes entzogen wird.

Auch als Radfahrer sollte man also nicht betrunken fahren, wenn man auf seinen Führerschein angewiesen ist. Dann gibt es nur Eines: Schieben!

Vorbildlicher Unfallverursacher

Verkehrsunfall am 16.12.2016: Bus rammt geparkten PKW und beschädigt ihn stark. Ich bekomme das Sachverständigengutachten am 29.12.2016 und schreibe umgehend nach meiner Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub am 03.01.2017 die gegnerische Busverkehr-Gesellschaft als Selbstversicherer an und mache die Ansprüche meiner Mandantin geltend.

Heute erhalte ich per E-Mail ein Schreiben der Gegenseite:

“… können wir jetzt die 100%ige Haftung auf Seiten unserer Mandantin bestätigen. Die in Ihrem Schreiben vom 03.01.2017 geltend gemachten Positionen werden […] unstreitig gestellt. […] Den vorgenannten Betrag haben wir auf das von Ihnen genannte Anderkonto überwiesen.”

Zwischen Anspruchsschreiben und Zahlung liegen also nur acht Tage. Daran sollten sich Allianz, HUK und Co. einmal ein Beispiel nehmen, die üblicherweise die von der Rechtsprechung gesetzten Regulierungsfristen bis zum Gehtnichtmehr (und oft darüber hinaus) ausnutzen und dann meistens noch den Rotstift ansetzen, wo es ihnen beliebt, um sich dann verklagen zu lassen.

Als Unfallverursacher also unbedingt empfehlenswert: Ein Bus der Busverkehr Rheinland GmbH.

Wer kokst, der läuft

Gestern legte mir ein aufgeregter Mandant einen Bußgeldbescheid vor, nach dem er ca. 190 EUR zahlen sollte, außerdem ein Fahrverbot von 1 Monat bekam und 2 Punkte in Flensburg. Der Bußgeldbescheid datierte vom 02.12.2016.

“Was kann ich denn dagegen machen?””

– Kommt drauf an. Wann haben Sie den denn bekommen?

“Ist schon was her, so Anfang Dezember. Ich hab da immer mal angerufen, aber da ist nie jemand rangegangen.”

Ich hab dem Mann dann erklärt, dass er gegen den Bußgeldbescheid innerhalb von 14 Tage Einspruch hätte eingelegen müssen. Da er das versäumt hat, ist der Bescheid jetzt bestandskräftig.

Darauf zog er ein weiteres Schreiben aus der Tasche, mit dem die Führerscheinbehörde ihm ankündigte, ihm die Fahrerlaubnis entziehen zu wollen, weil er unter Drogeneinfluss Auto gefahren ist. Bei einer Blutprobe wurden u.a. THC und Kokain im Blut nachgewiesen, was er auch nicht bestritt.

Ich habe ihm empfohlen, der Entziehung der Fahrerlaubnis durch freiwillige Abgabe der Fahrerlaubnis zuvorzukommen, um wenigstens etwas Geld zu sparen. Wer bereits einmalig beim Konsum von Kokain erwischt wird, verliert seine Fahrerlaubnis. Was ich auch richtig finde, denn ich möchte auch nicht, dass mein Sohn auf der Straße von einem Fahrer unter Drogen umgenietet wird.

Erkenntnis des Tages: Nach einem Bußgeldbescheid muss der Betroffene schriftlich innerhalb von 14 Tagen Einspruch einlegen, wenn er den Bescheid nicht akzeptiert. “Mal anrufen” reicht nicht. Und: Wer kokst, verliert seinen Führerschein, wenn er erwischt wird. Auch wenn er gerade nicht Auto fährt.

HUK muss Sachverständigenkosten vollständig zahlen

Die HUK Coburg Allgemeine Versicherung AG ist dafür bekannt, im Rahmen der Regulierung von Verkehrunfallschäden die Sachverständigenkosten des Geschädigten oft nach eigenem Gutdünken zu kürzen. Oft kommt sie damit auch durch, denn wegen zumeist 200 bis 300 EUR ziehen die wenigsten Geschädigten vor Gericht, wenn sie nicht über eine Rechtsschutzversicherung verfügen.

Nicht jeder Geschädigte lässt sich aber auf die Kürzung der Kosten ein und zahlt diese Kosten aus eigener Tasche. Deshalb kassiert die HUK immer wieder Urteile, in denen sie zur Zahlung auch der gekürzten Beträge verurteilt wird. Im Netz findet man dazu inzwischen sehr viele Entscheidungen.

Der Autor dieser Zeilen und Betreiber der Seite verkehrsrecht-in.koeln hat nun vor dem Amtsgericht Köln eine weitere Entscheidung gegen die HUK erstritten (AG Köln vom 25.2.2016 – 275 C 179/15), deren Gründe im Folgenden zur Verfügung gestellt werden:

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Versicherungs-Mathematik: HUK non calculat

Neues aus der Reihe “Wie Versicherungen mit dem Geld ihrer Kunden umgehen”: 

Die HUK-Coburg rechnet einen Unfallschaden ab und kürzt dabei die Erstattung der Sachverständigenkosten um 90 EUR, denn die wären überhöht. Mandant will die natürlich nicht selbst tragen und nun soll ich die HUK Coburg also auf Zahlung von 90 EUR verklagen. Damit ihn kein Kostenrisiko trifft, hat der Mandant eine Rechtsschutzversicherung. Und wo hat er die? Richtig: Bei der HUK-Coburg.

Die HUK-Coburg ist bekannt dafür, öfters mal Sachverständigenkosten dreist zu kürzen und sich verklagen zu lassen. Google findet dazu zahlreiche Beiträge.

Aber wozu führt das nun? Gewinnen kann die HUK-Coburg hier nicht: Wenn sie antragsgemäß zur Zahlung der 90 EUR verurteilt wird, hat sie die Kosten des Rechtsstreits ebenfalls zu tragen. Und wenn sie gewinnt, bleiben die Kosten ebenfalls im Hause. Denn die Anwalts- und Gerichtskosten meines Mandanten zahlt in diesem Fall die HUK-Coburg Rechtsschutz – und die sind höher als die streitige Forderung.

Schon finanziell wäre es für die HUK-Coburg also sinnvoller, die streitige Forderung nun ohne Klage zu zahlen. Ganz davon abgesehen, dass auch Versicherungen Wert auf Kundenzufriedenheit legen sollten.

30 Punkte

Was ich nun in einer Führerscheinakte lesen musste, ist wirklich selten. 30 Punkte in Flensburg – das muss man auch erst mal schaffen:

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Nach der Punktereform zum 01.05.2014 ist das kaum noch möglich. Wer sich trotzdem um seine Fahrerlaubnis sorgt, darf sich aber natürlich gerne an mich wenden.

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